Die Logik meiner Malerei
Zwischen Wahrnehmung und Erinnerung
Die Malerei ist für mich ein Erkenntnisraum. Jede Arbeit beginnt mit einer konkreten Beobachtung – einem Baum, einem Haus, einer Lanschaft –, doch das Gesehene bleibt nicht in seiner äußeren Form bestehen. Ich nehme das Motiv in mich auf, bis es sich von seiner Gegenständlichkeit löst. Diese Auflösung ist kein Verlust, sondern eine notwendige Verschiebung: vom sichtbaren Objekt zur inneren Spur, die es hinterlässt.
Zwischen Beobachtung und Erinnerung entsteht eine Art visuelle Denkbewegung. Ich male mich durch die Oberfläche hindurch, als würde ich Schichten abtragen, um an etwas Wesentlicheres zu gelangen. In diesem Prozess verschwinden die Dinge, und irgendwann auch mein eigenes Bild von mir als Betrachtende. Was bleibt, ist ein Zustand der Konzentration, getragen von Erinnerung, Intuition und Vertrauen. Erst dann beginne ich, tastend, den Weg zurück zur Oberfläche zu suchen.
Diese Arbeitsweise steht in einer Tradition, die das Bild nicht als Abbild versteht, sondern als Ort der Erfahrung. Agnes Martin hat dies in ihrer konsequenten Reduktion radikal formuliert: Das Bild als Feld der Ruhe, als Resonanzraum innerer Wahrnehmung. Rosalind Krauss beschreibt das „Grid“ als eine Struktur, die in der modernen Kunst den Übergang von der beobachteten Welt zur autonomen Bildfläche markiert. Das Raster fixiert nicht nur Ordnung – es eröffnet einen Denkraum, in dem Wahrnehmung sich selbst reflektieren kann.
Auch meine Malerei bewegt sich in diesem Spannungsfeld: zwischen dem konkreten Impuls der äußeren Welt und der Eigenlogik der Fläche. Während des Malprozesses verschiebt sich die Bedeutung des Motivs. Es wird zum Ausgangspunkt für Fragen: Was bleibt, wenn das Gegenständliche verschwindet? Wie verändert Erinnerung das Gesehene? Wie lässt sich Wahrnehmung sichtbar machen, ohne sie festzuschreiben?
Die Bilder, die daraus entstehen, tragen Spuren dieser Rückkopplung. Schichtungen, Auflösungen, Verdichtungen – sie zeigen nicht das Objekt selbst, sondern die Bewegung, die es ausgelöst hat. Die Malerei wird so zu einem Instrument, das die Erfahrung der Wahrnehmung nicht nur darstellt, sondern untersucht.
Für die Betrachtenden bieten diese Arbeiten keine konkreten Antworten. Stattdessen öffnen sie einen Raum, der sich zwischen Wiedererkennen und Abstraktion spannt. Ein Raum, in dem Wahrnehmung nicht abgeschlossen, sondern in Bewegung bleibt.